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Donnerstag, 10. November 2011

Desintegration II

Gibt es eigentlich einen Integrationskatalog, der Deutsch-Migranten/Migranten/Menschen mit Migrationshintergrund vorschreibt, was erfüllt sein muss, damit man erfolgreich integriert ist?

Zum Beispiel:
1. Deutsche Staatsbürgerschaft
2. Erste Sprache, die man gelernt hat: Deutsch
3. Zusammengehörigkeitsgefühl
4. Zugang zum deutschen Bildungssystem, mit erfolgreichen Abschluss

Ab dem dritten Punkt wird’s schon sehr schwammig und ungenau. Aber verfolgt man Medien und Äußerungen von Politikern, sind Staatsbürgerschaft und Sprache die Hauptpfeiler einer gelungenen Integration. Hat man diese zwei Punkte nicht erreicht, ist die Integration verfehlt.

Bisschen wenig, oder?

Ich sage gar nicht, dass man die Sprache nicht lernen soll. Im Gegenteil: Man soll und muss die Sprache des Landes lernen, in dem man sich aufhält. Gar keine Frage. Ich finde nichts schlimmer, als Menschen die seit 40 Jahre in Deutschland leben und dann einen Dolmetscher brauchen, wenn sie zum Arzt gehen.

Ich finde es aber auch überzogen, von Migranten zu verlangen, dass sie die Deutsche Sprache als erste lernen müssen.
Nur, weil man die Sprache des Landes spricht, in dem man lebt, ist man noch lange nicht integriert! Ganz im Gegenteil!

Wie viele Menschen kenne ich, die in Deutschland leben und täglich jammern, wie furchtbar doch alles ist, und wie schön es doch in der Heimat ist. Jammer, jammer, jammer. Geht jemand zurück in die tolle Heimat? Nö! Sind diese Menschen integriert? Nö!

Wie gesagt, Deutsch war nicht meine erste Sprache, aber im Kindergarten hab ich dann vielleicht vier Wochen, wenn überhaupt gebraucht, um sie zu lernen.
Außerdem wird doch seit einigen Jahren die Meinung vertreten, dass Kinder so früh wie möglich, so viele Sprachen wie möglich lernen sollen. Wie viele Berichte habe ich schon gesehen über Babys die Chinesisch lernen, Kindergartenkinder die Englisch lernen usw.?

Wie passt das jetzt zur Integrationsdebatte? Werden diese Kinder desintegriert, weil sie mit Mama und Papa manchmal auf Englisch reden?

Mittwoch, 2. November 2011

Desintegration

Ich sitze gerade vor’m Fernseher, feile meine Nägel, gucke Nachrichten: Fukushima, Griechenland, Galeria Kaufhof/Karstadt, Jubiläum Anwerbeabkommen. Ministerpräsident Erdogan zu Gast in Berlin. Feierlichkeiten mit Angela Merkel im Rahmen des Anwerbeabkommens, welches vor 50 Jahren seinen Lauf nahm. Ich muss nicht weiter ins Detail gehen, die Medien berichten ja jetzt seit einer Woche über das Jubiläum.

Nun, dass man in Deutschland anders über Integration und wie diese verlaufen soll denkt, als in der Türkei, wissen wir ja. Was genau die Türkei jetzt unter Integration verstehen….Erdogan sprach irgendwas von Assimilation und Antisemitismus. 

„Huuuuj“, denke ich mir. Was er genau mit Antisemitismus meint, keine Ahnung. Assimilation? Wenn ich es richtig verstanden habe, verlangt der Deutsche Staat, dass die Türken (Migranten) ihre komplette Identität aufgeben, und sich so anpassen, dass man nicht mehr merkt, dass die Migranten aus einem anderen Land kommen.

Unter anderem findet Erdogan, es ein absolutes NO GO, dass türkische Kinder zuerst Deutsch lernen sollen.

So weit so gut.

Interview im Morgenmagazin. Dunja Hayali befragt den Bundesinnenminister Friedrich.
Der wiederrum, findet es ganz schlimm, dass Migrantenkinder zuerst ihre vermeintliche Muttersprache lernen und dann erst Deutsch „Schließlich sind sie hier in Deutschland, sie wollen hier leben bla bla bla, also sollen sie auch zuerst Deutsch lernen. Doppelte Staatsbürgerschaft? Nein, das geht nicht, dann ist man schlecht integriert.“

Ich könnte kotzen.

Was für ein Sch*** reden die da??? Sowohl Erdogan, als auch Deutsche Politiker. Assimilation, Antisemitismus??? Geht’s noch? Man muss sich für ein Land entscheiden, erst die Deutsche Sprache lernen und dann den Rest, weil sonst ist man nicht integriert???

Ich dachte in einer globalen Welt, ohne Grenzen soll man so viele Sprachen, wie möglich können? Die Reihenfolge, wann man welche Sprache lernt, sollte dabei doch nicht so wichtig sein, oder? Und wieso muss man sich immer für etwas entscheiden? Man kriegt den Eindruck, alles andere sei falsch. Am besten nur mit Scheuklappen durchs Leben laufen, und bloß nicht nach links oder rechts gucken.

Ich behaupte von mir, dass ich Deutsch ohne Akzent spreche. Und wisst ihr was? Deutsch habe ich erst im Kindergarten gelernt! Hat‘s mir geschadet?